Positiver Optimismus

Nach meinen Erlebnis-Work-Shops bekomme ich oftmals von Gästen, die zum ersten Mal mit Angewandter Improvisation in Berührung gekommen sind, das  Feedback: Das war ein entspannter und lustiger Abend, aber mir ist unklar, wie ich das im täglichen Leben anwenden kann

Und klar, wenn wir „Scheiter heiter“ trainieren, dann sollst Du am nächsten Tag selbstverständlich nicht überschwänglich lachend Deinem Chef mitteilen, dass  Du einen Riesenauftrag in den Sand gesetzt hast. Wenn wir Wertschätzung und Zustimmung trainieren, heißt das nicht, dass wir zu allem ja und Amen sagen.  Wenn wir unsere Positive Grundeinstellung stärken, bedeutet das nicht, dass wir am nächsten Tag einen missgünstigen Kollegen in die Arme fallen. Ja, und wenn wir wertfreie Kommunikation üben und JA! sagen, schließt das nicht aus, dass wir Grenzen setzen.

Vielmehr geht es doch darum, zu erleben, dass wir keine Angst haben müssen, unsere Komfortzonen zu verlassen. Dass wir nicht befürchten müssen, einem Gespräch nicht folgen zu können, in einer Diskussion nicht präsent zu sein. Dass wir an Fehlern wachsen können und, dass sich eine Balance zwischen Vertrauen und Verantwortung entwickelt, die uns Selbstsicherheit und die Stärke gibt, auf andere Menschen zu zugehen – uns Gehör zu verschaffen und anderen zuzuhören.

Es geht doch darum, mit Humor, Neugierde und Selbstsicherheit eine Positive Grundeinstellung aufzubauen, die uns widerstandsfähig, kreativ und produktiv macht. Eine Grundeinstellung, die uns das Leben leichter macht und unsere Motivation steigert. Eine Grundeinstellung, die uns wieder brennen lässt für die Dinge, die uns wichtig sind und für das, was wir täglich tun. Ich nenne es realistischen Optimismus. Dankbar sein, für die positiven Dinge, die uns täglich begegnen und die uns vorher, in grübelnde Gedanken vertieft, auf unserem Weg verborgen blieben.

Es heißt immer: Wir sind selbst verantwortlich für unser Wohlbefinden. Und das ist richtig. Nicht unsere Partner, unsere Familie, unsere Kollegen, Freunde, Bekannte, unser Chef, die Verkäuferin an der Wursttheke sind dafür verantwortlich, dass wir uns gut fühlen. Sicher, sie können zu unserem Wohlbefinden beitragen, aber am Ende sind wir es, die die Verantwortung für uns selbst tragen. Und wenn wir das schaffen, geben wir auch ein bisschen Wohlbefinden und positive Energie an andere weiter, indem wir mit Offenheit, Wertschätzung und Interesse anderen Menschen begegnen.

Die Übungen der Angewandten Improvisation sind sehr humorvoll, oftmals überdreht und gerade in der Anfangsphase wird sich der ein oder andere eventuell fragen, ob er sich vielleicht gerade zum Affen macht.

Aber, ich versichere: NEIN – so ist das nicht. Denn bei der Angewandten Improvisation sitzen wir alle im gleichen Boot. Und was im Improclub passiert – bliebt auch im Improclub. Improvisation erfordert mut und Einfühlungsvermögen.

Die Regisseurin Anja Schöne ließ uns vor den Generalproben, die Stücke in der halben Zeit spielen. Das habe ich zunächst einmal nicht verstanden und fand es zugegeben anfangs auch recht nervig. Da schmettert man im Eiltempo seinen Text hin, Gesten und Mimiken werden übertrieben dargestellt und die Bewegungen sind hektisch und unnatürlich. Ich habe ein wenig gebraucht, bis ich begriffen habe, dass sich durch diese Übung ein hohes Maß an Selbstsicherheit entwickelt. Denn, wer seinen Text unter erhöhtem Zeitdruck drauf hat, der muss sich auch im „normalen“ Tempo keine Sorgen um einen Texthänger machen. Darüber hinaus, wird durch diese Übung, ein realistisches Spieltempo justiert. Man trifft sich quasi in der Mitte. Und das gilt nicht nur für das Spieltempo sondern auch für die Darstellung von Gefühlen. Ist man vorher noch verhalten, findet man nach der übertriebenen Darstellung, seinen eigenen Flow und begegnet den anderen Mitspielern in eben diesem Flow. Auch hier wird deutlich, dass uns das Verlassen der Komfortzonen dahin bringt, wo wir eigentlich hin wollen.

Die Angewandte Improvisation ist ein humorvolles Mittel, um Achtsamkeit, Wahrnehmung und Selbstwirskamkeit in einem sicheren und angenehmen Rahmen zu trainieren. Und sie bietet die Möglichkeit, interessanten Menschen zu begegnen, eine gute Zeit zu haben und sich selbst (und andere) zu feiern.

Angewandte Improvisation macht stark.

Angewandte Improvisation macht mutig.

Angewandte Improvisation macht Spaß.

In diesem Sinne freue ich mich auf die nächsten Erlebniseinheiten mit Euch.

Mit lieben Grüßen

Wolfgang Boy
Trainer für Angewandte Improvisation / ZAI®-Trainer

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