Meine Reise in die Improvisation…




Der Faszination von Schauspiel und Theater konnte ich mich noch nie entziehen. Vor allem das Tanztheater von Pina Bausch übte eine unglaubliche Faszination auf mich aus. Schon als Kind habe ich davon geträumt, einmal auf der Bühne zu stehen – oder zumindest einmal in der ZDF-Hitparade aufzutreten.

Undenkbar, habe ich immer gedacht:
– außerhalb der Routine agieren
– unvorhersehbaren Situationen begegnen
– spontan reagieren
– auf Menschen zugehen
– sich vor einem Publikum öffnen…
heißt auch:
– Lampenfieber
– Schweißausbrüche
– zittrige Stimme
– weiche Knie
– Atemnot
– Blackout…

Und selbst, als ich 1996 endlich die Möglickeit bekam, im Musical Dome Köln Theaterluft von Innen zu schnuppern und für das Musical Gaudi im Vorderhaus zu arbeiteten, war ich immer der erste, der flüchtete, wenn es darum ging, eine Statistenrolle auf der Bühne zu übernehmen.

Erst 2012 habe ich mir einen kleinen, nachdrücklichen und entscheidenden Ruck gegeben. Geprägt von fast 30 Jahren Vertriebstätigkeit als Betriebswirt und Managementassistent mit all dem Druck, der Hektik, dem Konkurrenzkampf, der angespannten Stimmung – kurz vor einem Burnout -, war ich auf der Suche nach einem effizienten Ausgleich. Sicher, Sport wäre eine Option gewesen, aber da hatte mich die Erfahrung gelehrt, dass ich die ersten drei Monate im Fitnessstudio aktiv bin – die restlichen neun Monate eher als zahlendes Mitglied in Erscheinung trete. Also habe ich überlegt: Was wäre für mich die größte Herausforderung? Was würde mich völlig aus der alltäglichen Routine tragen?

Ich stürzte mich in die obligatorischen Improvisations-Aufbau-Kurse für Anfänger und schloss diese 2015 mit dem Soloprojekt Elmar Keller-Berghausen ab. Eine Zeit großer, intensiver Gefühle und zahlreicher Grenzwerterfahrungen – die nicht immer positiver Natur waren – lag hinter mir. Und am Ende konzipierte ich die tragische Figur Elmar Keller-Berghausen. Ein Souffleur, der darunter zu leiden hatte, sich immer im Schatten der großen Figuren auf der Bühne bewegen zu müssen. Vereinsamt, dominiert von seiner Mutter und von der Liebe enttäuscht, fristete er sein Dasein in einer kleinen Wohnung – umgeben von unzähligen Stofftieren. Das markante an dieser Figur war, dass Elmar das Ende jeden gesprochenen Satzes flüsternd wiederholte. Tragisch und auch ein bisschen gruselig. Da konnte dem Zuschauer schon mal das Lachen im Halse stecken bleiben. Mir übrigens auch…

Es folgten drei Inszenierungsprojekte in der Comedia Köln unter der Regie von Anja Schöne, zwischenzeitlich Leiterin der Kinder- und Jugendtheatersparte in Hagen. Sehr frei nach Woody Allen durfte ich in  GOTT  einen rappenden römischen Schauspieler mit „Werbe-Spot-Erfahrung“ und einen liebestollen Sklaven zum Besten geben.

In  All flights delayed tonight  schlüpfte ich in die Rolle des fahrenden Verkäufers Bernardo, der tagsüber am Flughafen Bocadillos verkaufte und nachts seine Schürze gegen Plateauschuhe und Discofummel tauschte. Mit seinen Auftritten gedachte er seiner verstorbenen Show-Partnerin Bernadette. Mein persönliches Highlight bei diesem Stück war übrigens nicht die Tanzperformance in sehr unbequemen Plateauschuhen zu I´m so excited von den Pointer Sisters. Nein, es war eine selbst geschriebene Grabrede – ausschließlich bestehend aus Texten der schwedischen Gruppe ABBA. Diese Szene hatte ich für meine Mutter geschrieben, die wenige Monate vor der Premiere verstorben war.

Anschließend durfte ich die Plateauschuhe gegen eine Jogginghose tauschen. Yes! In Stuck in the Park wurde ich zu Zange, einen Kleinkriminellen mit Sprachfehler. Sein Revier: der Stadtpark. Großes Herz – kleines Hirn und immer an seiner Seite: Kampfhund Lady und seine Kumpels Hammer und Bohrer. Der arme Kerl stotterte oft und fand selten die richtigen Worte. (Übrigens meine Lieblingsrolle bisher)

Parallel hatte ich für mich die Improvisation nach Keith Johnstone entdeckt. Bei der clamotta Improschule in Köln besuchte ich regelmäßig Kurse, die mit einem kleinen Auftritt abgeschlossen wurden. Mit einigen Mitspieler:innen gründeten wir die Clamotta IMPRONAUTEN

Fasziniert von dem Humor, der Schlagfertigkeit, der Spontaneität und dem Teamwork, welches Improspieler auf der Bühne mit einer scheinbar mühelosen Leichtigkeit und einer starken Prise positiver Energie zum Besten geben, konnte ich gar nicht genug davon bekommen.

Positiver Humor, der wertschätzende Umgang und das spielerische Verlassen der Komfortzonen – das clamotta Improfieber hatte mich infiziert: No more Drama – just positive Energie…

Und mir wurde bewusst, dass ich das hier entdeckte nicht nur auf der Bühne anwenden konnte: Das Training bei der clamotta hatte auch positiven Einfluss auf mein Berufs- und Privatleben. Plötzlich fiel es mir viel leichter mit Menschen auf einer positiven und wertschätzenden Ebene zu kommunizieren – ich fühlte mich stärker, entspannter und vor allem war ich im Alltag viel besser gelaunt… Und ganz wichtig: Zweifel, Bedenken und Verschlossenheit wichen Neugierde, Enthusiasmus und positiver Energie. Das war unglaublich hilfreich. Im Kontakt mit Kund:innen, Vertriebspartner:innen, Kolleg:innen, Freund:innen – aber auch das Agieren auf der Bühne fiel mir immer leichter.

Ich konnte endlich JA! sagen zu mir und dem, was ich tat und hatte ganz nebenbei eine neue Leidenschaft entdeckt.

Neben einem weiteren Schauspielkurs bei der Musikhochschule Köln, habe ich verschiedene Weiterbildungen in den Bereichen Achtsamkeit, Resilienz, Teamwork, Selbswirksamkeit, Anti-Mobbing und Burnout-Prohylaxe besucht.

Ja, selbst vor Butoh habe ich nicht Halt gemacht. Ich probiere halt so wahnsinnig gerne neues aus.

Und natürlich habe ich ganz viel Impro auf der Bühne und mit einer kleinen Gruppe gespielt. Mir wurde immer klarer, dass hinter der Improvisation mehr als nur „Der schnelle Witz“ steckte. Da war es eigentlich nur ein logischer, nächster Schritt, die Weiterbildung ZAI® bei der Clamotta Köln zum Trainer für Angewandte Improvisation zu machen. Ein Jahr Abenteuer pur! Emotionen, Erkenntnisse und unzählige Trainingstechniken weiter, schloss ich die Ausbildung Anfang im März 2019 vor der Kommunal-Akademie Boppard mit einem Workshop zum Thema „Burnout-Prophylaxe erfolgreich ab.

Bereits während der Ausbildung wurde mir klar, dass dieser kleine, aber entscheidende Ruck 2012 mein Leben verändert hatte und mein weiteres Leben völlig auf den Kopf stellen würde.

Meine Vertriebstätigkeit habe ich Anfang 2019 nach fast 35 Jahren „an den Nagel gehängt“ und bin jetzt beim pme Familienservice in NRW tätig. Ein Unternehmen, das Lösungen und Unterstützung für Menschen in allen Lebenslagen anbietet. Von der Betreuung für Kindern, pflegebedürftiger Angehöriger über Lebenslagencoaching, Krisenberatung bis zu Gesundheitsprävention und Weiterbildung. Ein Unternehmen, in dem Wertschätzung, Teamwork und Förderung groß geschrieben werden.

Nun galt es, prallel zu diesen ganz neuen Aufgaben, meine positiven Erfahrungen und persönlichen Entwicklungen weiter zu geben. Mehr Gelassenheit, Wertschätzung, Achtsamkeit und Humor in die Welt zu tragen. Und so gründete ich die ErlebnisWorkShops bei Wolfgang Boy – Angewandte Improvisation.

Hoch motiviert konzipierte ich die ersten Workshops, musste aber bald feststellen, dass jeder Anfang „schwer“ ist. Nicht, dass es mir an Ideen oder Motivation gemangelt hätte. Ich musste mir natürlich erst einmal einen Kundenstamm aufbauen. Und wie es im Leben eben ist, wollte der erste herbe Rückschlag nicht lange auf sich warten lassen.

Die ersten Workshops in den Räumlichkeiten beim pme Familienservice An der Flora in Köln, habe ich mit Freund:innen und Kolleg:innen „aufgestockt“, damit die notwendige Mindestanzahl an Teilnehmer:innen erreicht wurde. Aber, das Interesse an den Formaten und der Positiven Grundeinstellung stieg stetig. Vorläufiger Hohepunkt sollte der ErlebnisWorkShop „Fee the Beat“ werden. Ein Konzept, an dem ich lange gearbeitet hatte und in dem es um die Verbindung von Kommunikation, Rhythmus, Bewegung und Musik geht. Eine Herzensangelegenheit und ein schöner Erfolg.

Und ab März 2020 konnte ich dann endlich ausgebuchte Veranstaltungen verzeichnen. Ja, ich musst sogar Interessenten Plätze auf Wartelisten anbieten (was zugegeben ein seltsames Gefühl war).

Wir alle wissen, was dann kam…
Die geplanten Versanstaltungen mussten abgesagt werden…
Plötzlich stand die Welt Kopf – allerdings diesmal nicht im positiven Sinne…

Präsenzveranstaltungen konnten also nicht stattfinden.
Was war die Alternative?
Angewandte Improvisation online?
Never!
Das funktioniert nicht!
Niemals!

Gut 200 ErlebnisWorkShops später, von denen rund 90% virtuell stattfanden, kann ich guten Gewissens sagen: Doch, Angewandte Improvisation funktioniert hervorragend – auch online.

Zugegeben, die ersten Einheiten waren ein wenig von technischen Herausforderungen geprägt. Zoom, GoToMeeting, GoToWebinar und Teams wollten nicht immer so, wie ich es gerne wollte. Aber, gemäß dem Motto nach Keith Johnstone „Scheiter heiter!“ lassen sich solche Herausforderungen sehr gut „ins Spiel einbauen“.

Vielleicht habe ich auch erst bei dieser Umstellung den Sinn der Angewandten Improvisation richtig verstanden. Wir trainieren ja nicht den „Bühnenauftritt“ – wir trainieren unsere Persönlichkeit, Achtsamkeit, Resilienz, Kommunikation, Gelassenheit. Und auch virtuell schaffen wir es, eine magsiche Verbindung zueinander aufzubauen. Auch virtuell ist es möglich, den Gästen (so nennen ich gerne meine Teilnehmer:innen) Wohlbefinden, Sicherheit und Empathie zu vermitteln.

Beim pme Familienservice bin ich mittlerweile für die Organisation der Veranstaltungen zuständig und mit meinen ErlebnisWorkShops in der Akadmie unterwegs.

Selbstverständlich bleibe ich dem Vertrieb auch weiterhin treu
alte Liebe rostet ja bekanntlich nicht
indem ich mit meinen ErlebnisWorkShops die Förderung von Qualität und Effizienz anbiete.
Ganz nach den Leitsätzen:
Steht der Mensch im Mittelpunkt ist das die beste Marketingstrategie
Wer Dienstleistungen wirklich liebt, wächst jeden Tag mit seinen Kund:innen und Mitarbeiter:innen


Ich habe erlebt, wie die Angewandte Improvisation mein Leben und meine Sichtweisen positiv verändert hat. Darum möchte ich teilen, wie ich sie erlebt habe und wie ich sie erlebe. Mit der Angewandten Improvisation ist es wie mit diesem Kalenderspruch, den man eigentlich nur noch flüsternd von sich geben darf: Der Weg ist das Ziel. Denn die Angewandte Improvisation entwickelt sich immer weiter und mit offenen Augen und offenem Herzen lernt man täglich etwas hilfreiches hinzu.

Ich möchte jeden ermutigen, sein Leben auf diese Weise entspannter, offener, neugieriger, mit gestärkter Selbstwirksamkeit, Verantwortung, Vertrauen – ganz viel Humor, Energie und einer Positiven Grundeinstellung zu gestalten.

Und ich freue mich darauf, Euch auf diesem Weg begleiten zu dürfen.

Mit besten Grüßen

Euer Wolfgang Boy
ZAI®-Trainer für Angewandte Improvisation