ja, und dann was???

Eines der ersten Dinge, die man bei der Improvisation lernt ist, ja… und dann zu sagen. Schnell wird aus diesem ja… und dann ein Mittel, um Geschichten und Kommunikation am Laufen zu halten, einen Flow mit Spiel- oder Kommunikationspartner*in herzustellen. Das heißt aber auch, dass man vorab geschmiedete Pläne über den Haufen werfen muss. Ziel ist es immer, die Impulse des anderen aufzunehmen, aktiv einzubauen und zu ergänzen. Den Verlauf einer Geschichte oder einer Kommunikation im Vorfeld detailliert zu planen ist ein No-Go.

Auf der Bühne merkt der Zuschauer recht schnell, ob zwischen den Spieler*innen ein Flow entsteht. Geplante Geschichten wirken verkrampft – konstruiert – ihnen fehlen Entwicklungsmöglichkeit, Überraschungseffekt und Natürlichkeit. Das gleiche gilt für den Versuch „eigene Ideen mit Nachdruck durchzusetzen“.

Im privaten Umfeld ist es sehr ähnlich. Du kennst das sicher auch. Du führst ein Gespräch und Gesprächspartner*innen hüpfen verbal von einem Thema zum anderen ohne Dir wirklich zuzuhören. Ähnlich verhält sich das in Situationen, in denen Gesprächspartner*innen von dem erzählten immer einen Bezug zu sich selbst finden und eine Art Monolog entsteht.

Ich unterscheide hier gerne (und ganz grob) unter 4 verschiedenen Grundhaltungen.
1. Ja… und dann – wir nehmen wertfrei an und agieren bzw. ergänzen.
2. NEIN – Wir blockieren und nehmen Ideen, Impulse und das Gesagte nicht an. Übrigens eine der Grundlagen jeden „richtig guten“ Konflikt.
3. Ja, aber – Wir greifen die Idee des anderen auf und zerschmettern sie. Das ist in etwa so, als würden wir einem Gast die Türe einen Spalt öffnen, freundlich lächeln und dann dem Gast die Türe mit voller Wucht vor der Nase wieder zuknallen.
4. Ja, egal – Unser Fokus liegt nicht auf Gesprächspartner*in – wir sind nebenbei mit anderen Dingen beschäftigt und hören nur mit maximal einem Ohr zu.

Und? Bemerkt?
Ich habe „4 verschiedene Grundhaltungen“ geschrieben.
Im Gegensatz zu den Übungen geht es nämlich gar nicht so sehr darum, den nächsten Satz mit „Ja… und dann“ zu beginnen. Vielmehr geht es um eine positive Grundeinstellung, die uns dazu bringt, mit Offenheit, Interesse, Motivation und Wertschätzung in eine Geschichte – in eine Kommunikation zu gehen.

Jeder von uns hat Geschichten zu erzählen. Und eben diese Geschichten wollen raus. Daran ist nichts unnatürliches. Einen Raum für die eigenen Gedanken und Geschichten in Anspruch zu nehmen und gleichzeitig dem anderen ausreichend Raum für seine Gedanken und Geschichten zu lassen, ist manchmal nicht einfach. Aber, es ist machbar – es ist sinnvoll – es ist notwendig. Und vor allem zeugt es von Wertschätzung. Verbundenheit, Inspiration und das Bedürfnis, die eigene Geschichte zu erzählen, lassen sich nur auf diesem Wege realisieren. Und dieser Weg ist motivierend, bereichernd und wohltuend. Wenn ein Flow entsteht ist die Magie der Kommunikation nicht weit.

Übungen zu ja… und dann sind selbstverständlich Standard in meinen WorkShops und ich konnte in den letzten gut 2 Jahren eine interessante Entwicklung feststellen. Während in der Anfangsphase kaum jemand Schwierigkeiten mit diesen Übungen hatte und wir regelmäßig den magischen Flow feiern konnten, fällt es Teilnehmer*innen immer schwerer, sich auf diesen Grundgedanken einzulassen.

Zum Einen höre ich oft den Einwand:
„Ja, soll ich jetzt zu allem Ja und Amen sagen?“
„Nein, sollst du natürlich nicht!“
Es geht hier lediglich darum, eine offene und wertfreie Einstellung zu entwickeln mit der wir in Kommunikation treten. Und zu erleben, welche Kreativität, Zuversicht, die erwähnte Verbundenheit und vor allem die Bereicherung des Perspektivenwechsel entstehen. Ja und dann ist mehr als ein Kommunikationsmittel oder ein Mittel, Geschichten zu entwickeln. Vielmehr ist es eine Lebenseinstellung, die uns offen, tolerant, gelassen und humorvoll begegnen lässt.

Zum Anderen fällt es vielen Teilnehmer*innen aktuell anscheinend immer schwerer in kurzen Sätzen zu sprechen. Ich erlebe immer wieder, dass Aussagen ergänzt werden mit dem Warum – Woher – Wohin… Das mag teilweise daran liegen, dass es aktuell schwierig ist, ein wenig an Kontrolle abzugeben und dürfte eine der vielen Nachwirkungen der letzten 1,5 Jahre mit Carola Corona sein. Ich bemerke es ja an mir selbst: Umso länger ich isoliert agiere, um so größer wird mein Bedürfnis, mich mitzuteilen. Andere reden gar nicht mehr (oder wenig), weil sie es nicht mehr gewohnt sind, in die tägliche Kommunikation zu treten. Und, mal ganz ehrlich: Wir haben ja alle in den vergangenen Monaten sehr viel Eigenkontrolle abgeben müssen – umso schwerer fällt es nun, da – wo es sinnvoll ist – Kontrolle abzugeben.

Wir dürfen nie vergessen, dass dieses Ja! ein Symbol für die Wertschätzung ist, die Basis jeder erfolgreichen und vor allem lebendigen Kommunikation ist. Das „… und dann“ wiederum gibt uns die Möglichkeit, Situationen nach unseren Bedürfnissen zu beeinflussen und uns selbst auf einfache, kooperative Weise zu verwirklichen.

Machen wir uns nichts vor. Auch, wenn jetzt so eine Art Normalität in unser Leben tritt, werden wir noch sehr lange mit den Nachwirkungen dieser Pandemie zu kämpfen haben. Und gerade jetzt sind lebhafte Kommunikation und das offene aufeinander zugehen ohne Vorbehalte wichtig. Wir haben jetzt einmal mehr die Chance, unsere Kommunikation und den Umgang miteinander zu überdenken. Jetzt, da wir ins Team zurückkehren und uns im privaten Bereich wieder intensiver austauschen können und wollen. Machen wir das Beste daraus, damit die Zeit nach Carola Corona vielleicht sogar besser wird als die Zeit davor.

Abschließend der obligatorische Hinweis, dass in den WorkShops mit Angewandter Improvisation genau das trainiert wird. Positive, humorvolle, inspirierende Kommunikation voller Offenheit, Wertschätzung und Verbundenheit, damit wir Menschen, Situationen und Herausforderungen gelassen und motiviert begegnen können.

Wer „Ja… und dann…“ kennen lernen und/oder trainieren möchte, ist herzlichst eingeladen:

VA_62287 #feelgood – AktivWorkShop mit Angewandter Improvisation
Thema der Woche: Ja und dann… – wertschätzende Kommunikation
In dieser Woche werfen wir einen Blick auf die goldene Regel der Improvisation: Ja, und dann… Welche positiven Auswirkungen hat sie auf uns und unsere Kommunikation?
Donnerstag, 24.06.2021 von 19:00 bis 20:30 Uhr
virtuell

Hier geht es zur Anmeldung über den pme Familienservice:
https://www.familienservice.de/veranstaltungen?bnr=VA_62287

Ich freue mich schon auf die nächsten Termine.
Und? Wann sehe ich Dich online?

Mit besten Grüßen
Wolfgang Boy
ZAI®-Trainer für Angewandte Improvisation

Dein Kontaktformular:






Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s